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Interview: Seraphina

SERAPHINA 

Wien hat bekanntlich viel zu bieten. Die Stadt an der Donau gibt für Kulturinteressierte viel her. Es scheint ganz klar zu sein: Wer das Besondere, das Schöne und das Außergewöhnliche mag, muss nach Wien. Kein Wunder also, dass wir ausgerechnet hier auf Priestess Lila Kama gestoßen sind. Und nebenher auch auf den Beweis, dass Wien gerade auch für BDSMler einiges parat hat.

Priestess Lila Kama steht für einen spirituellen Ansatz im BDSM und bietet wie alles in der Stadt ein bisschen mehr. Es geht in die Tiefe. Aber was das genau bedeutet und welche neuen Facetten von BDSM zu erkunden oder zu erfahren sind, liest man im folgenden Interview.


Was ist das Besondere an BDSM für dich?
SM zog mich schon immer an wie ein Magnet – ich spürte, dass dort der Schlüssel für meine Heilung zu finden sein würde. Dieser Schlüssel sollte die Fesseln meines Geistes öffnen.
Ich begab mich bewusst in diesen Bereich, um aus der Ohnmacht auszusteigen und die Machtposition einzunehmen. Mehr und mehr wird mir bewusst, dass das eine jedoch das andere bedingt, da dies die Gesetze der Dualität sind.


In den Beschreibungen über dich findet man dann und wann die Aussage, dass du den psychologischen und spirituellen Weg von BDSM beschreitest. Was bedeutet das im Detail?
Mir wurde durch meine Ausbildung klar, dass SM mehr ist, als nur das Körperliche und die offensichtliche Schicht der Psyche, an der man relativ schnell kratzt. Um jedoch dort hinzukommen, muss man fühlen, spüren und wahrnehmen. Man betritt somit einen anderen Raum, der für die meisten (noch) nicht zugänglich ist, da er nicht in der sichtbaren Welt zu finden ist. Spiritualität mag in diesem Kontext vielleicht abstrakt klingen, doch es hat ganz einfach mit den Energien zu tun, die alles ausmachen – Gedanken, Gefühle, usw.

Hinter das zu blicken, was einem augenscheinlich präsentiert wird und womit das Gegenüber sich schmückt, ebnet den Weg in die tieferen Schichten der Existenz auf einem integralen Fundament.

Was zeichnet dich als Domina aus?
Um einen Gast in seine eigene Tiefe zu führen – dort wo wir insgeheim alle hinwollen – muss man wissen, wie man dort hinkommt. Das gleiche gilt, dass ich jemanden nur so weit führen kann, wie ich selbst gegangen bin. Darum bin ich jeden Tag bemüht einen Schritt weiterzugehen und mir meiner selbst bewusster zu werden – auch in all seiner Schmerzlichkeit. Auf dieser Reise zu mir selbst nehme ich mein Gegenüber mit und versuche mich voll und ganz zu schenken, in allem was ich bin.


Was kannst du neben BDSM am meisten genießen? Gibt es Hobbies oder Leidenschaften?
SM ist nur ein kleiner Auszug dessen was ich Leben nenne. Mein Hobby ist mein Leben und das Leben ist meine Inspiration.
Welche Erfahrungen hast du mit Anfängern gemacht, die ihr erstes BDSM Erlebnis mit einer dominanten Frau bei dir suchen?
Die meisten sind absoluter Unwissenheit und Desinformationen ausgeliefert. Sie haben zu viele Vorstellungen und Bilder im Kopf, welche erst gezügelt und ‚ausgetrieben’ werden müssen und das ist schon eine Herausforderung für sich. ;) Das vorherrschende Bild in dieser ‚Branche‘ ist immer noch das der Herrin als sexuelle Erfüllungsgehilfin, anstatt einer therapeutischen Begleiterin.
Jedoch gibt es auch jene, die sehr vorsichtig sind und die Bereitschaft und Offenheit mitbringen, sich langsam auf dieses Terrain einzulassen.


Stellen wir uns vor, ich wäre ein Anfänger im BDSM und hätte Lust, mich für eine Session bei einer professionellen Domina zu öffnen. Auf was sollte ich achten? Was würdest du mir raten?
Jeder hat seine Erfahrungen zu machen, die er braucht. Du solltest für dich klären, was du möchtest und wohin du möchtest. Im besten Fall triffst du auf eine Herrin, die ein unverbindliches Vorgespräch anbietet und eine Basis des Vertrauens schafft. Die Tendenz, dich hingeben und fallen lassen zu wollen ist mit Sicherheit ein gutes Zeichen.


Welche Spielarten oder Schwerpunkte im BDSM genießt du am meisten?
Jemanden zu spüren, zu führen, zu provozieren und ihn dadurch wieder in die eigene Kraft zu bringen. Der Schelm schläft nie ;)


Was ist für dich persönlich eine gute Session?
Für mich ist es eine erfüllende Session, wenn sich der Gast auf mich einlässt und sich innerlich wie äußerlich führen lässt. Das erfordert das vorherige Verinnerlichen der Basis wie Höflichkeit, Wertschätzung, Zugänglichkeit und Vertrauen. Wenn ich spüre, dass sich Blockaden lösen, er Schmerzen durchatmen und durchlassen kann und somit Stück für Stück freier wird. Das größte Geschenk ist ein von herzen kommendes Lächeln, in dem tiefe Dankbarkeit steckt.


Gibt es ein Erlebnis in deinem Leben als Domina, was dich nachhaltig glücklich macht?
Das Vertrauen, welches mir entgegengebracht wird und das Einlassen auf sich selbst, wie es hier einer meiner geschätzten Gäste schriftlich festgehalten hat: „Ein Besuch bei Herrin Lila Kama bedeutet, mich auf eine Audienz einzustellen, die ich einerseits herbeisehne und auf der anderen Seite fürchte.
Fürchten deshalb, weil sie Türen in meinem Inneren öffnet, die mich überraschen und zum Teil auch etwas erschrecken. Gleichzeitig trägt mich aber das Gefühl, einem Menschen begegnet zu sein, der mir solche Reisen zu mir selbst ermöglicht.“


BDSM als Neigung ist ja durchaus eine Reise. Man lernt viel Neues kennen, trifft auf besondere Menschen und Bedürfnisse. Was glaubst du: Wo geht bei dir die Reise hin?
Ich habe viele Meilensteine, welche verwirklicht werden wollen: Ich möchte, dass wir wieder anfangen zu spüren, die patriacharlisch-kreierte Illusion verlassen und uns daran erinnern, wer wir sind und wofür wir hier sind. Das Offenlegen der Dualität, Anhaftungen, Fixierungen und des Missbrauchs in all seinen Formen und das Heilen all dessen. Das geht mit einer Änderung der Sichtweise und des Zugangs zu SM einher, in dem man wieder Mensch sein darf und nicht als Bedürfnisbefriediger oder Objekt benützt wird – sondern sich von Seele zu Seele begegnet. Das Anerkennen des Potenzials und der Heilkraft, welches dieser Bereich – wenn richtig und passioniert beschritten – für sich und andere innehält und ihn somit aus der Dunkelheit ans Licht zu bringen.
Des Weiteren die Arbeit mit Frauen, um sie wieder hinein in ihre Weiblichkeit, Feinfühligkeit und intrinsische Kraft zu begleiten. Auch wollen wir im SM-Tempel berufene Frauen auf ihrem Weg in die selbstbestimmte Arbeit unterstützen und ihnen dabei helfen ihre Talente zu entdecken. Ausgebildete Dominas sollen wieder zu dem werden, was sie früher waren: Heilerinnen, Priesterinnen, Templerinnen und weise Frauen, die zwischen den beiden Welten vermitteln.

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